Archiv für November 2011

Hausdurchsuchungen nach Farbbeutelanschlag

Im Zuge der Ermittlungsarbeiten zum Farbbeutelanschlags auf den jüdischen Friedhof führte der Staatsschutz Hausdurchsuchungen bei fünf Tatverdächtigen im Alter von 18 bis 25 Jahren durch. Die Durchsuchungen fanden in Oldenburg und im Landkreis Ammerland statt. Vier Personen sollen Mitglieder der NPD Oldenburg sein. Im Rahmen der Durchsuchung wurde ein Pfefferspray, mehrere Sturmhauben, Teleskopschlagstöcke, sowie Messer sichergestellt. Die Verdächtigen machten gegenüber der Polizei keine Aussage.

Quelle: Polizei Oldenburg

Weitere Artikel zum Thema:

☞ »durchsuchungen bei fünf nazis« regentied 30.11.2011
☞ »NPD-​Mit­glie­der in Ver­dacht« NWZ 30.​11.​2011
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☞ »Bi­schof ver­ur­teilt An­grif­fe auf jü­di­schen Fried­hof« Bild 01.​12.​2011
☞ »Ol­den­bur­ger Bi­schof ruft gegen Rechts auf « Radio Bre­men 01.​12.​2011
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Aus aktuellem Anlass…

Als Reaktion auf den Farbanschlag auf den jüdischen Friedhof laden antifaschistische Gruppen zu einem Spaziergang ein.

»In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde ein Farbanschlag auf den
Jüdischen Friedhof (Dedestraße, Ecke Dragoner Straße) verübt. Während
die Polizei sagt, ein politischer Hintergrund könne nicht
ausgeschlossen werden, sagen wir: ein Angriff auf eine jüdische
Einrichtung ist immer eine politische Positionierung. Sie zeugt vom
offensichtlichen Antisemitismus der Täter_innen.
Antisemitismus war und ist Element neonazistischer Denkmuster und
wieder einmal wird klar, dass diese Denkmuster Bestandteil unserer
Gesellschaft sind – auch in Oldenburg. Ein weiteres aktuelles Beispiel
ist der Einzug der NPD in den Stadtrat.
Wir werden es nicht hinnehmen, dass Neonazis in Oldenburg weiterhin
Fuß fassen! Deshalb kommt alle zum antifaschistischen Spaziergang:
Mittwoch, 23. November um 18 Uhr am Osternburger Markt

Neues von Eigenfeld

Der brau­ne Rats­herr Ul­rich Ei­gen­feld steht nicht nur im Ol­den­bur­ger Stadt­rat, son­dern nun­mehr auch in sei­ner ei­ge­nen Par­tei (wel­che üb­ri­gens seit den 80′ern gleich­zei­tig sein Ar­beit­ge­ber ist) auf ver­lo­re­nem Pos­ten. Als enger Ver­trau­ter des da­ma­li­gen NPD-​Bun­des­vor­sit­zen­den Udo Voigt über­nahm er noch 2008 das Amt des Schatz­meis­ters sei­ner Par­tei und ge­hör­te damit auch dem Par­tei­prä­si­di­um der NPD an. Auf dem Par­tei­tag der NPD am letz­ten Wo­chen­en­de in Neu­rup­pin ver­lor jetzt je­doch nicht nur Udo Voigt sein Amt an den Her­aus­for­de­rer Hol­ger Apfel, son­dern auch Ei­gen­feld wurde von sei­nem Pos­ten ge­jagt. Vom Schatz­meis­ter wurde er zu einem von drei Kas­sen­prü­fern de­gra­diert – in­klu­si­ve mas­si­ver fi­nan­zi­el­ler Ein­bu­ßen des haupt­amt­li­chen NPD-​Funk­tio­närs.

Der in­ner­par­tei­li­che Nie­der­gang des 64-​jäh­ri­gen, wel­cher schon 1969 mit ge­ra­de 22 Jah­ren in die NS­DAP-​Nach­fol­ge­par­tei ein­trat, be­gann be­reits 2006, als der da­ma­li­ge NPD-​Ge­ne­ral­se­kre­tär nicht mehr als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der NPD be­stä­tigt wurde. Drei Jahre spä­ter, 2009, ver­lor er dann auch den Lan­des­vor­sitz in Nie­der­sa­chen, wel­chen er über Jahr­zehn­te in­ne­hat­te. Mit sei­ner Ab­wahl als Schatz­meis­ter dürf­te der »treue Par­tei­sol­dat« Ei­gen­feld nun an sei­nem brau­nen Kar­rie­re­tief an­ge­kom­men sein. Und auch die fünf Jahre als NPD-​Man­dats­trä­ger im Ol­den­bur­ger Rat ver­spre­chen an­ge­sicht der mas­si­ven an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­te nun wirk­lich nichts Gutes…

Quelle: regentied

Rückblick 1. November

Am letz­ten Dienst­tag gab es nun also die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung des neuen Ol­den­bur­ger Stadt­ra­tes in der We­ser-​Ems-​Hal­le – be­kannt­lich in­klu­si­ve Ein­zugs von Ul­rich Ei­gen­feld als Man­dats­trä­ger der NPD. An­ti­fa­schis­tIn­nen hat­ten des­halb zu Pro­tes­ten vor der Halle auf­ge­ru­fen, was in den Me­di­en zu di­ver­sen pa­ni­schen Mel­dun­gen über zu be­fürch­ten­de Aus­schrei­tun­gen führ­te. Um es schon mal vor­weg zu neh­men: so arg kam es dann doch nicht. Doch das selbst­ge­steck­te Ziel ei­ni­ger An­ti­fa­schis­tIn­nen, »Ul­rich Ei­gen­feld und der NPD die 5 Jahre im Rat zur Hölle zu ma­chen«, konn­te bei die­ser ers­ten Sit­zung ein­drucks­voll in die Tat um­ge­setzt wer­den.

Eine halbe Stun­de vor Be­ginn der Rats­sit­zung hatte sich eine bunte Mi­schung von etwa 250 Men­schen vor der We­ser-​Ems-​Hal­le ver­sam­melt, um klar­zu­ma­chen, dass Fa­schis­tIn­nen nicht mit Igno­ranz, son­dern mit der er­ho­be­nen Faust oder dem ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger zu be­geg­nen ist. Der Haupt­adres­sat des an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­tes ver­such­te al­ler­dings sich die­ser »Be­grü­ßung« zu ent­zie­hen, indem er schon zwei Stun­den vor Sit­zungs­be­ginn in das Ge­bäu­de schlich. Dort ver­harr­te Ul­rich Ei­gen­feld dann stun­den­lang mit stoi­schem Ge­sichts­aus­druck in dem men­schen­lee­ren Ta­gungs­saal – mal ab­ge­se­hen von einem Toi­let­ten­gang sei­ner­seits, wel­cher sich zu einem doch eher nicht er­leich­tern­den Er­leb­nis ent­wi­ckelt haben soll.

Wäh­rend des­sen lausch­ten die Teil­neh­me­rIn­nen der Pro­test­kund­ge­bung – kri­tisch be­äugt von meh­re­ren Hun­dert­schaf­ten der Po­li­zei – gut­ge­launt und bes­tens ver­sorgt meh­re­ren Reden und der Ol­den­bur­ger Ak­ti­on-​Sam­ba-​Band. Um dem brau­nen Rats­herrn di­rekt vor Augen zu füh­ren, dass er in Ol­den­burg kein Bein auf den Boden be­kom­men wird, ent­schloss sich ein Groß­teil der an­we­sen­den An­ti­fa­schis­tIn­nen kurz vor Sit­zungs­be­ginn die Be­su­che­rIn­nen­plätz zu fül­len – was zur Über­ra­schung Vie­ler trotz eines mas­siv an­we­sen­den Ord­nungs­diens­tes ziem­lich un­pro­ble­ma­tisch klapp­te. So waren es dann wohl über 150 Men­schen, wel­che mit Trans­pa­ren­ten, Pfif­fen, Pa­ro­len und etwas Spei­chel jeg­li­che Hand­lung Ei­gen­felds kom­men­tier­ten.

Und auch meh­re­re Rats­mit­glie­der zeig­ten wäh­rend der Sit­zung klare Kante. Die Linke und die Pi­ra­ten­par­tei hiel­ten Pro­test­schil­der hoch und die neue Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Lin­ken be­kun­de­te vom Red­ne­rIn­nen­pult aus ihre So­li­da­ri­tät mit dem an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­test. Auch die bei­den neuen stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­te­rin­nen von Grüne und SPD be­zo­gen Po­si­ti­on und be­grüß­ten aus­drück­lich nur »die Rats­kol­le­gin­nen und –kol­le­gen der wirk­lich de­mo­kra­ti­schen und an­ti­fa­schis­ti­schen Par­tei­en«. Ei­gen­feld selbst ver­such­te die ganze Sze­ne­rie mit einem ma­ni­schen Grin­sen zu über­spie­len – doch seine zit­tern­den Hände spra­chen da eine ganz an­de­re Spra­che.
Nach etwa einer hal­ben Stun­de ent­schlos­sen sich die De­mons­tran­tIn­nen dann, die dröge Sit­zung ge­schlos­sen zu ver­las­sen und statt­des­sen noch eine klei­ne De­mons­tra­ti­on in der Stadt ab­zu­hal­ten. Nach an­fäng­li­chen Ner­verei­en mit der Po­li­zei konn­te sich die Demo dann auch in Be­we­gung setz­ten und en­de­te nach gut einer Stun­de am au­to­no­men Zen­trum Al­ham­bra, wo der Tag in ge­müt­li­cher At­mo­sphä­re aus­klang.

Bleibt nun noch ein klei­nes Fazit zu zie­hen: Auch wenn die Sit­zung an einem Diens­tag statt­fand und viele zu dem Zeit­punkt noch mit der Ma­lo­che be­schäf­tigt waren, ist die ge­rin­ge Zahl an De­mons­tran­tIn­nen doch eher als ent­täu­schend zu be­wer­ten – da ist in einer Stadt wie Ol­den­burg wirk­lich mehr drin. Nichts­des­to­trotz kam es wohl zu den mas­sivs­ten Pro­tes­ten, die es seit lan­ger Zeit in einem Kom­mu­nal­par­la­ment in Deutsch­land gab. Und auch das an­schlie­ßen­de Me­dien­echo – in­klu­si­ve eines dram­ti­schen Bild-​Ar­ti­kels – zeugt vom Er­folg des an­ti­fa­schis­ti­schen Pro­tes­tes. Üb­ri­gens eben­so wie die Re­ak­tio­nen aus der Na­zi­sze­ne. Wäh­rend sich auf einem der men­schen­ver­ach­tens­ten Na­zi­por­ta­le über das »Ol­den­bur­ger De­mo­kra­tie­ver­ständ­nis« echauf­fier wird und die Grün­de dafür in »einer sitt­lich total ver­kom­me­nen, an­ti­deut­schen Stadt, die ihre Uni­ver­si­tät nach dem kom­mu­nis­ti­schen Volks­ver­rä­ter und De­nun­zi­an­ten Carl von Os­sietz­ky be­nannt hat« er­blickt wer­den, ver­sucht sich die NPD Nie­der­sach­sen schon nach der ers­ten Sit­zung in Durch­hal­te­pa­ro­len: »Ul­rich Ei­gen­feld hatte am 1. No­vem­ber kei­nen leich­ten Stand im Stadt­rat. Nie­mand – weder die Stadt­rats­par­tei­en noch der An­ti­fa-​Mob – soll­ten aber die po­li­ti­sche Stand­haf­tig­keit die­ses Man­nes un­ter­schät­zen, der seit Jahr­zehn­ten als NPD-​Funk­tio­när den Aus­spruch des grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Pla­ton kennt: „Alles Große steht im Sturm“«. Ja, ja, und Sta­lin­grad wird wohl auch ge­hal­ten.

Für die die nächs­te Sit­zung des Stadt­ra­tes im De­zember, wel­che dann wie­der am ge­wohn­ten Ort (PFL) statt­fin­den wird, wur­den be­reits er­neu­te Pro­tes­te an­ge­kün­digt – dies­mal ver­bun­den mit der For­de­rung nach der Ab­schaf­fung des ras­sis­ti­schen Gut­schein­sys­tems für Flücht­lin­ge. Ei­gen­feld muss sich in die­sem Win­ter wohl be­son­ders warm an­zie­hen…

Quelle: regentied

Danke an alle Unterstützer_innen

Wir bedanken uns bei allen, die bei der Kundgebung am Dienstag dabei waren.
Ein weiterer Bericht folgt in den nächsten Tagen.