Neonazi überfällt Sexarbeiterin

Angeklagter will Spielzeugwaffe benutzt haben
Prozess 23-jähriger Wilhelmshavener wegen sexueller Nötigung vor Gericht

von Kristin Hilbinger

Wilhelmshaven – Mit einer geladenen Gaspistole soll ein 23-Jähriger am 18. November 2011 in Wilhelmshaven eine Prostituierte bedroht haben. Er soll ihre nackten Brüste berührt und Geld verlangt haben. Wegen schwerer sexueller Nötigung steht der Mann deswegen seit Freitag vor dem Oldenburger Landgericht. Zur Verhandlung wurde er aus der Untersuchungshaft vorgeführt.

Seit Dezember sitzt er im Gefängnis. Der junge Mann ist aufgrund zahlreicher Delikte polizeibekannt, gehört der rechten Szene an und saß wegen Brandstiftung bereits mehrere Jahre in Haft.

Gestern ließ sich der Angeklagte mit einem Geständnis nach anfänglichem Zögern auf ein Angebot von Gericht und Staatsanwaltschaft ein. Der Richter hatte ihm zugesagt, keine höhere Strafe als vier Jahre Haft zu verhängen, sollte er gestehen.

„Ich wollte ihr Geld haben“, erklärte der 23-Jährige, warum er die Frau mit einer Waffe bedroht habe. Allerdings sei das keine Gaspistole, sondern eine so genannte Softair-Pistole – ein Spielzeug – gewesen. Bei seiner Flucht habe er sie in den Banter See geworfen. In der Wohnung des Angeklagten waren nach der Tat allerdings ein leerer Karton für eine Gaspistole sowie zwei Pa­tronen gefunden worden. „Die Gaspistole hatte mir die Polizei schon im Sommerabgenommen“, sagte der 23-Jährige. Damals hatte er einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst, weil er damit gedroht hatte, sein Wohnhaus an der Emsstraße in die Luft zu sprengen. Daraufhin war er in die Psychiatrie eingewiesen worden.

An besagtem Novemberabend sei er zur Prostituierten gegangen, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen, sagte der Angeklagte aus. Der Richter hatte vermutet, dass er von Anfang an vorhatte, die Frau zu überfallen. Der 23-Jährige ist arbeitslos und nach eigenen Angaben beim Jobcenter gesperrt. Das heißt, er hat gar kein Einkommen, nimmt aber Drogen und hatte sich wenige Tage vor der Tat ein großes Tattoo stechen lassen. „Wovon bezahlen Sie das denn?“, warf der Richter ein. „Mit krummen Dingern“, entgegnete der Angeklagte.

Schon an der Wohnungstür der Prostituierten habe er 50 Euro bezahlt, sagte der 23-Jährige. „Für 20 Minuten.“ Schließlich habe er die Waffe gezogen und von der Frau Geld verlangt. Angefasst habe er sie nicht. Laut Anklage soll er die Waffe an den Hals der Frau gehalten haben. Daran mochte sich der Angeklagte nicht erinnern. Er habe nicht nur unter dem Einfluss von Cannabis gestanden, sondern auch von Valeron, einem Schmerzmittel.

Die Frau sei schließlich schreiend zur Wohnungstür gerannt. „Da hab’ ich Panik gekriegt“, sagte der Angeklagte. Er flüchtete.

Das Opfer des Wilhelmshaveners sollte als Zeugin vor Gericht gehört werden. Die Frau erschien jedoch nicht zum Termin. Die Verhandlung wird nun am 26. Juni fortgesetzt.

Quelle: NWZ 09.06.2012

Molotowcocktail auf Nachbar geworfen – Wilhelmshavener vor Gericht
Der 23-Jährige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft. Zuvor hatte er angedroht, sein Wohnhaus zu sprengen.

Wilhelmshaven – Das Verfahren gegen einen 23-jährigen Wilhelmshavener wegen schwerer sexueller Nötigung ist am Dienstag vor dem Landgericht Oldenburg fortgesetzt worden. Der Mann hatte gestanden, am 18. November 2011 eine Prostituierte mit einer Waffe bedroht und Geld von ihr gefordert zu haben.

Die 46-jährige Thailänderin sagte als Zeugin aus. Sie berichtete, wie der Angeklagte die Waffe gezogen habe. Zuvor habe er sie aufgefordert, sich auszuziehen.

Das Gericht folgte dem Antrag des Verteidigers, den Vorwurf der sexuellen Nötigung fallen zu lassen. Die Frau hat nach eigenen Angaben seit dem Überfall Alpträume.

Angeklagt ist der Wilhelmshavener außerdem wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Er gestand, am 17. Dezember 2011 einen Molotowcocktail nach einem Nachbarn geworfen zu haben. Der Angeklagte lebte seit etwa zwei Jahren in Wilhelmshaven, bis er in Untersuchungshaft kam. Er war Kopf einer rechten Gruppierung in der Stadt und mehrfach straffällig geworden. Nachdem er im vergangenen Sommer gedroht hatte, sein Wohnhaus an der Emsstraße zu sprengen, will er sich von der Szene losgesagt haben.

Am 17. Dezember habe er mehrmals versucht, mit einem bekannten Polizisten über alles zu sprechen. Als sich der nicht meldete, wählte der Wilhelmshavener die 110 und kündigte an, sein Wohnhaus in Brand setzen. Die Polizei kam mit einem Großaufgebot. Um seiner Forderung „Nachdruck zu verleihen“, habe er dann den Brandsatz geworfen. Der 23-Jährige saß bereits mehrere Jahre in Haft, weil er einen Brandanschlag auf einen muslimischen Gebetsraum verübt hat. Das Verfahren wird am 17. Juli fortgesetzt.

Quelle: NWZ 27.06.2012

Bei dem 23-jährigen Neonazi soll es sich um Christian Schneeweiss handeln.